palatia jazz - das kulinarische Jazzfestival an historischen Spielorten der Pfalz
      

Gebläse mit Groove

Die Künstler bei „ Palatia Jazz”: Die Berliner Funkband „Mo' Blow” kommt nach Haßloch

DIE THEINPFALZ, den 09. August 2011


Mo´Blow
Hassloch. Letztes Jahr spielten sie noch im Vorprogramm von David Sanborn bei „ Palatia Jazz”, heuer sind sie selber Top-Act bei diesem Festival: Am kommenden Freitag tritt die Berliner Funkband „Mo' Blow” im Hof des Ältesten Hauses in Haßloch auf. Der „ Palatia Jazz”- Fans wohlbekannte Star-Posaunist Nils Landgren ist Pate und gleichzeitig Produzent der brodelnden „Mo' Blow”-Grooves.

Der Berliner Saxofonist Felix F. Falk gründete 2001 eine Band mit dem schönen Namen „Sahne-Funk” während seines Auslandsstudiums in Liverpool. Nach der Rückkehr nach Deutschland machte der Bandleader mit neuen Mitgliedern weiter, und die Gruppe hieß fortan „Mo' Blow”, was so viel bedeutet wie „mehr Gebläse”. 2008 gewann sie beim Jazz & Blues Award sowohl den Publikumspreis als auch den Förderpreis der Jury. Gerade in jüngerer Zeit hat das Quartett noch einmal einen enormen Schub gemacht: Erst vor wenigen Monaten erschien die zweite CD „For those about to Funk” bei ACT, produziert von Nils Landgren, der auch selbst mitspielte. Und wenn der schwedische Musiker etwas gut findet und dies auch fördert, dann ist dies ein hohes Gütesiegel. Weitere Gäste des Albums waren der Sänger Magnum Coltrane Price, Magnus Lindgren (Tenorsaxophon) und Torsten Goods (E-Gitarre).

Gastmusiker wie David Friedman oder Gunter Hampel nimmt sich die Band auch gerne für ihre Live-Auftritte hinzu. Gerade als Live-Band ist „Mo' Blow” sehr beliebt - mit ihrer heißen, groovenden Musik wurden sie schon zu etlichen Festivals in ganz Europa eingeladen. Die vier Musiker machen einen Jazz, der zum Tanzen einlädt und sich nicht viel um die reine Lehre schert: „Wir sind relativ respektlos gegenüber dem Jazz, wir integrieren in unsere Musik das, was im Jazz toll ist, aber es muss dabei etwas herauskommen, was uns Spaß macht und uns interessiert”, sagt Bandleader Felix F. Falk. Der Groove-Faktor ist tatsächlich sehr hoch in dieser Musik, und dementsprechend ist es eher ein jüngeres Publikum, das diese Klänge goutiert.

Freunde von Soul und Funk kommen ebenso auf ihre Kosten wie Liebhaber von jazzgerechten Improvisationen. Der rau-sonore, bärbeißige Sound des Baritonsaxophons, die coolen Vibes des Fender-Rhodes-Pianos, ein funky E-Bass, dem Tobias Fleischer mit seiner Slaptechnik starke rhythmische Impulse beigibt, und Drums (André Seidel): diese Musik ist hip. Sie kann aber auch schön schmiegsam werden, wenn Pianist Matti Klein zauberische, balladeske Klänge intoniert und Felix Falk zum Altsaxophon wechselt, das er mit glühender Intensität spielt. Gelegentlich lässt er auch das „Didgeribones” ertönen, eine stimmbare Variante des australischen Didgeridoos.

Die Songs von „Mo' Blow” werden gemeinsam in der Gruppe geschrieben. Das gibt einen einheitlichen Sound, in dem sich jeder der vier wiederfindet. Es sind intelligente Kompositionen, die nicht an altmodischem Funk interessiert sind, sondern an einer modernen, knackigen Version. Und außerdem sind alle vier Musiker begnadete Improvisatoren, die auch ausgedehnte Soli mit Glut und Hitze versorgen können.

Von Rainer Köhl

Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Mittelhaardter Rundschau
Ausgabe: Nr.183
Datum: Dienstag, den 09. August 2011
Seite: Nr.22

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