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Frenetischer Beifall und Zuhörerschwund
Formation „ Jazzanova” stößt bei Palatia Jazz-Konzert in der Germersheimer Stadthalle auf ein geteiltes Echo
DIE RHEINPFALZ, den 08. August 2011 Jazzanova
Das Wetter machte denen, die sich am Freitag auf ein Palatia Jazz-Konzert in der Germersheimer Festungsanlage gefreut hatten, einen Strich durch die Rechnung. Die Organisatoren hatten das Konzert mit der Formation „ Jazzanova” angesichts dicker Regenwolken und Schauern kurzerhand in die örtliche Stadthalle verlegt. Trotzdem war dem Konzert alles andere als eitel Sonnenschein beschieden. Die Protagonisten des Abends, die Berliner Formation „ Jazzanova”, machten, auch wenn in Germersheims guter Stube eine stattliche Zahl an Sitzplätzen frei geblieben waren, aus der Not eine Tugend und zauberte Partystimmung ins Publikum. Schon bei den ersten Stücken empfahl sich die achtköpfige Besetzung um den charismatischen Sänger Paul Randolph als ausgewiesene Grenzgänger - und kredenzten unter dem Sigel „Nu Jazz” eine tanzbare Mixtur aus Jazz, Latin, Soul, Funk und House, die vor allem den Konzertgängern, die keine Sitzplatzkarte geordert hatten, quasi ungebremst in die Beine fuhr. Als ob sich ein breit grinsender Kobold auf seinen Stimmbändern festgefressen hätte, verbreitete der Frontmann bei den Songs vorwiegend aus dem aktuellen Album „Of All The Things” unablässig Tanzlaune. Im Rücken hatte er eine ausgewachsene Band, bestehend aus handverlesenen Musikern wie Sebastian Studnitzky (Keyboards) oder Carl-Michael Grabinger (Schlagzeug, Percussion). Ungewöhnlich in einer an sich runden und stimmigen Bandbesetzung sind die DJ's, die immer wieder daran erinnern, dass die Keimzelle der Band eigentlich in der Berliner Club-Szene liegt und man sich irgendwann dazu entschlossen hat, eine Reihe Musiker dazuzuholen und zum Sprung auf die Bühne anzusetzen. Wenn DJ und Produzent Axel Reinemer an seinem Computer zum Instrumentalist wird, dann stampfen die Beats, und statt Jazzclub-Flair ist Dancefloor-Atmosphäre angesagt. Ein Riss schien durchs Publikum zu gehen. Während die einen begeistert mittanzten, machten sich andere vorzeitig auf den Heimweg. Selten dürfte bei einem Palatia Jazz-Konzert so augenfällig mit den Füßen abgestimmt worden und ein derartiger Zuhörerschwund zu verzeichnen gewesen sein. Das Tragische: Als eine vom Konzept her innovative und nach vielen Seiten offene Partyband, als die „ Jazzanova” gehandelt wird, hat die Formation ganze Arbeit geleistet, derweil sich immer mehr Sitzplätze leerten. Was am Ende des Tages blieb, war frenetischer Jubel und helle Begeisterung auf der einen, Kopfschütteln auf der anderen Seite - und eine Band, die mit der Erfahrung, dass Germersheim nun mal nicht Berlin ist, eifrig weitertourt und das kleine Debakel hoffentlich locker zu den Akten befördert. Und dabei hatte der Abend weit weniger polarisierend begonnen. Im Vorprogramm sorgte nämlich Sebastian Studnitzky vor allem als Trompeter gemeinsam mit Arne Jansen (Gitarre), Paul Kleber (Bass) und Schlagzeuger Carl-Michael Grabinger für jazzige Feinkost. Die aus „ Jazzanova”-Musikern rekrutierte Quartettbesetzung setzte zum Einstieg mit ihrem modernen Jazz eine ganz eigene Duftnote zum Pfälzer Jazz-Festival. Die Baupläne für eine ganze Reihe unverwechselbarer Eigenkompositionen schienen für virtuos gehauchtes Trompetenspiel wie geschaffen. Wie kaum ein anderer zelebriert Studnitzky das Phänomen „viel Luft im Ton” und lässt seine Trompete hier und da eine ganze Ecke weicher klingen als ein Flügelhorn. Ansonsten gönnte man sich bei Jazz-Perlen wie „Egis” oder „Sequel” Zeit, die Themen genüsslich zu entfalten und ausgiebig darüber zu improvisieren. Fürs Vorprogramm eigentlich viel zu schade, mochte sich manch einer bei den teils avantgardistischen Klanggebilden gedacht haben. Jazz-Gourmets dürften jedenfalls selten aus dem Staunen herausgekommen sein. Von Matthias Ester Quelle: Verlag: DIE RHEINPFALZ Publikation: Pfälzer Tageblatt - Ausgabe Rheinschiene Ausgabe: Nr.182 Datum: Montag, den 08. August 2011 Seite: Nr.22 |
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